Pulina

DLS trifft auf SOZIALES LERNEN

Ich glaube, wenn man so durch meinen Blog stöbert und vor allem, wenn man den Beitrag „Vorbildwirkung kann auch cool sein“ gelesen hat, merkt man, dass ich ein Verfechter der Oberflächlichkeit bin. Ich kann es gar nicht leiden, wenn Menschen rein nach ihrem Äußern be- oder sogar verurteilt werden. Doch nicht nur Erwachsene können grausam sein, sondern auch Kinder und um meinen Schulkindern einen netten, freundlichen und nicht oberflächlichen Umgang miteinander beizubringen, lege ich großen Wert auf soziales Lernen. Natürlich ist dies mit den Kleinen spielerisch nicht nur besser, sondern auch einfacher. Ich bin der Überzeugung, wenn man sich als Lehrperson für sozialen Umgang, Toleranz und Akzeptanz in der Klasse einsetzt, stärkt dies wesentlich das Klassenklima.

Hier nun ein kleines Beispiel, wie ich in meiner Klasse fächerübergreifend soziales Lernen in den Unterricht einbaue.

Ich erfinde gerne Geschichten, egal ob für Kinder, meinen Mann, meine Freunde, oder einfach nur für mich selbst. Und wenn man die gängigen Märchen betrachtet ist es immer dasselbe: Frau muss wunderschön, mit makelloser Haut und Wespentaille sein. Mann muss stark, mutig und muskulös auf dem weißen Pferd daher geritten kommen. Frau muss vom Mann gerettet werden, weil Frau ja nichts alleine kann. Und der arme Mann muss immer furchtlos sein und gegen irgendein, wohlgemerkt hässliches, Monster kämpfen. Mann kennt die entzückende Prinzessin noch überhaupt nicht, aber weil sie ja so wunderschön ist, kämpft er dennoch auf Leben und Tot mit dem Drachen, der Hexe, oder irgendeinem anderen Ungeheuer. Nichts von wegen selbst ist die Frau, oder Jungs dürfen auch mal heulen. Und genau das möchte ich meinen Kindern nicht vermitteln. Männer dürfen Schwäche zeigen, genauso wie Frauen auch mal für sich selbst einstehen können. Und ich möchte Kindern vermitteln, das Einstellungen, Charakterzüge und Benehmen wichtiger sind, als Aussehen, Schmuck oder Kleidung. Und weil ich von den gängigen Märchen genug hatte, habe ich einfach mal ein paar eigene Geschrieben. Hier nun für euch das Märchen „Pulina mit den 100 Warzen“. Ein kurzes und banales Märchen über die wahre Liebe, Freundschaft, Familie, Aussehen, Tapferkeit, Lebensfreude und Feminismus.

Viel Spaß damit! Ich hoffe es gefällt euch!

Das Märchen ist sehr einfach geschrieben, damit es sich zum selbständigen Lesen bereits ab der 2. Schulstufe eignet.

Pulina mit den 100 Warzen

Es war einmal eine kleine Meerjungfrau namens Pulina.

Die Meerjungfrau war wunderschön und konnte schneller schwimmen, als der schnellste Fisch im Ozean.

Doch sie war sehr traurig. Denn die kleine Meerjungfrau wollte viel lieber eine echte Piratin sein. Alle Meermänner und Meerjungfrauen lachten Pulina aus, wenn sie erzählte, eines Tages Kapitänin eines echten Piratenschiffes zu sein.

Allerdings lies sie sich von dem Gelächter nicht verunsichern und verfolgte ihren Traum.

Sie beschloss zur bösen Meerhexe Quallina zu schwimmen. Quallina verzauberte die kleine Meerjungfrau in eine waschechte Piratin. Doch leider in eine sehr hässliche Piratin mit 100 Warzen im Gesicht. Außerdem würde sich der Zauber auflösen und Pulina in eine Krabbe verwandeln, fände sie nicht binnen 30 Tagen die wahre Liebe.

Verzweifelt saß Pulina auf ihrem Piratenschiff und dachte: „So wie ich aussehe, so hat mich doch nie irgendwer lieb.“ Sie weinte fürchterlich.

Die Tage vergingen und Pulina wagte es nicht einmal nach der wahren Liebe zu suchen, da sie sich so für ihr Gesicht schämte.

Am 30. Tag war es so weit. Sollte sie heute nicht die wahre Liebe finden, würde sie für immer eine Krabbe werden.

Kurz vor Mitternacht schwammen alle ihre Meeresfreunde, ihre Eltern und Geschwister an die Oberfläche und riefen: „Pulina, egal was passiert, wir lieben dich!“

Zum Gong um 00:00 Uhr hoffte Quallina auf Pulinas Verwandlung in eine Krabbe. Doch nichts geschah. Pulina hatte nämlich bereits die wahre Liebe vor langer Zeit gefunden, ihre Freunde und Familie. Und so blieb Pulina eine Piratin mit 100 Warzen im Gesicht. Doch sie schämte sich nicht mehr und zog frisch fröhlich mit ihrem Piratenschiff umher. Jahre später lernte sie einen Piratenprinzen mit einer Nase so groß wie der Eifelturm kennen. Die Beiden wurden gute Freude und durchreisten gemeinsam alle Meere. Der Piratenprinz fand, dass Pulina das tapferste, netteste und tollste Mädchen war, dass er je getroffen hatte. Und wer weiß, vielleicht segeln sie noch heute glücklich durch den Ozean.

Zusatzmaterialien zum Downloaden:

Pulina – Lesequiz

Pulina – Schreibübung

Murli – ein Freund aus dem Meer (ein Impuls zum freien Erzählen): In der Mitte der Klasse steht eine verschlossene Schatztruhe. In der Schatztruhe befinden sich mindestens so viele Muscheln, wie ihr Kinder in der Klasse habt. Vor der Schatztruhe ist eine Muschel mit einem Gesicht, die sich Murli nennt. Die Kinder wissen nicht, was sich in der Schatztruhe befindet. Nun könnt ihr den Kindern frei eine Geschichte, nach folgenden Stichpunkten erzählen und vielleicht auch einige Fragen einbauen:

  • Murli ist eine Muschel die vom großen Reichtum träumt.
  • Was glaubt ihr wovon Murli träumt? (Schmuck, Gold, Geld, etc.?)
  • Murli reist durch alle Meere und begegnet Pulina.
  • Pulina erzählt Murli, dass ihre Freunde und ihre Familie sie vor dem Fluch bewahrt haben. (Hier könnt ihr ein Kind erzählen lassen.)
  • Murli erlebt viele Abenteuer.
  • Murli findet im Bermudadreieck die vergessene Insel mit dem verlorenen Schatz und hofft endlich auf großen Reichtum.
  • Weiß jemand etwas über das Bermudadreieck? Gibt es das wirklich? Wo ist das? etc.
  • Er öffnet die Truhe und viele andere Muscheln springen heraus.
  • Zunächst ist er sehr enttäuscht und traurig.
  • Die anderen Muscheln trösten ihn und sind sehr lieb mit Murli.
  • Kann einen Gold und Geld trösten?
  • Alle feiern ein Fest und Murli hat verstanden, was wahrer Reichtum ist.
  • Zum Schluss wird die Schatztruhe umher gereicht und jedes Kind, darf sich eine Muschel nehmen und behalten. Diese Muschel soll das Kind symbolisch trösten, immer dann, wenn es einen Freund braucht.